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*Umbau*

Ein Leben - Kurzgeschichtensammlung


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Nachgeben... ja, klar!
Was für ein Tag...

Mein Vater, Elektronikingenieur bei Siemens, war dieses Jahr mit der Unterbringung aller Mitarbeiter seiner Abteilung beauftragt. Dementsprechend wurden allesamt ins beste Gasthaus des Dorfes geholt (Verdammt, war der Rinderspickbraten gut!), mitsamt meiner Familie - und der Freundin meines Bruders.

Hier beginnt das Problem.

Meine Familie besteht aus meiner Mutter und meinem Vater, meiner 16-jährigen Schwester und meines 21-jährigen Bruders mitsamt seiner 18-jährigen Freundin.
Bitte versteht mich nicht falsch, ich verstehe mich eigentlich blendend mit jedem.
Aber meine Fresse, wenn ich dauernd verarscht werde, nur weil ich mich praktisch immer traue zu sagen, was ich auch denke, dann platzt mir irgendwann der Kragen!

Na ja, einen kleinen Apfelbaum mit einem Tomatenstrauch zu verwechseln, muss man erst mal schaffen. Oder bei Erdbeersträuchern auf Kartoffeln zu tippen. (Wobei das die zweite Wahl gewesen wäre! Zuerst hätte ich 'Erdbeere' gesagt.)
Wenn man einmal darüber lacht, von mir aus gerne. Ein zweites Mal geht auch. Aber wenn ich mir diese Geschichten den lieben langen Tag anhören darf, und das drei oder vier Mal die Woche, reicht´s irgendwann.

Mir hat´s heute also mal gereicht und ich habe mich zur Wehr gesetzt. Warum ich nicht die Karten für das Konzert hole, die wir meinem Vater zum 50. Geburtstag schenken wollen?
Warum denn überhaut ich? Angeblich mache ich ja den ganzen Tag nichts und sitze nur vor dem Computer, aber meine feine kleine Schwester macht natürlich soooo viel mehr! Gott, ich hätte kotzen können. Dann fangen wieder diese Verarschungen an: "Ach, weißt Du noch, die Tomaten?" Schnell eine Paprika (!!!) zur Hand genommen und gesagt: "Schau mal, eine Erdbeere! Oder doch eine Kartoffel?" Natürlich schallendes Gelächter bei Schwester, Bruder und dessen Freundin.
Was mache ich also? Ich setze mich zur Wehr. Warum sollte ich die verdammten Karten holen? Ich soll mit meinem Roller reinfahren, dauert doch nicht lang. Bei dem Spritpreis?! "Ihr könnt mich doch mal gern haben!"
Fein, ich habe es ein wenig laut gesagt, aber ist doch wahr! Und was sagt die Freundin meines Bruders, mit der ich mich eigentlich echt gut verstehe?

"Man muss auch mal nachgeben."

Warum, verdammt noch mal, ICH?!

"Deine Schwester ist doch jünger als Du, also solltest Du mal nachgeben."

MAL?!?!?! Ich gebe jedes Mal nach, wenn meine Schwester was verlangt! Das fängt schon dann an, wenn entschieden werden muss, wer im Auto vorne sitzen darf! Diese kleine Zwetschge darf dann ins Cockpit und ich haue mir dauernd den Schädel an der Decke an!

"Der Klügere gibt nach."

Ach Gott, müsste ich schlau sein...

Aber leider bin ich nun mal Pazifist und haue nur dann zu, wenn´s wirklich nicht mehr anders geht. Sowohl physisch als auch verbal.

Also habe ich nachgegeben und alle Blödeleien über mich ergehen lassen.

Was für ein beschissener Tag...

 




[Geschichte] Ebbe und Flut
Ebbe und Flut

Alles zieht sich zurück.
Niemand will den ersten Schritt machen, jeder macht lieber einen Schritt zurück.
Nur nicht zu viel wagen, immer schön langsam. Schön langsam nach hinten arbeiten, sich von dem Problem distanzieren, um sich dann möglichst schnell davon abzuwenden.
Je schneller, desto besser, wohlgemerkt.
Sie ziehen sich zurück, allesamt. Wie eine Ebbe.

Ich schaue auf das offene Meer. Lausche ihm, wie die Wellen an den Strand rauschen. Möwen fliegen in der Luft herum und halten nach etwas Fressbarem Ausschau. Bei ihrem Anblick kommt mir der Begriff 'geflügelte Ratten' in den Sinn. Und ich muss lächeln, unwillkürlich.
Dabei ist der Anblick alles andere als schön. Das Wasser zieht sich zurück, verschwindet einfach, ganz hinten am Horizont. Übrig bleiben ein paar Pfützen, in denen unvorsichtige Fische sitzen und versuchen, zu überleben. Wenn sie Pech haben, ist nicht genügend Wasser da. Sie werden elendig sterben, an Atemnot.
Paradox, immerhin sind sie an der frischen Luft. Ausgerechnet an Atemnot müssen sie verrecken. Und niemand ist da, der ihnen hilft.

Irgendwann, kurz nach Mitternacht, ist das Rauschen vollkommen verstummt. Nur noch das Schreien einer einzelnen Möwe, die der Hunger hinaus getrieben hat.

Aber es dauert nicht lange, und das Rauschen beginnt von neuem. Wird ganz langsam lauter, stärker, schwillt an. Das Wasser kehrt zurück, bildet die Rettung für ein paar Fische.
Nicht für viele. Die meisten sind schon gefressen worden, oft von den fliegenden Ratten. Aber ein paar können noch entkommen. Entschlüpfen dem sicheren Tod.
Und ihre Brüder und Schwestern kehren zurück an ihren angestammten Platz und verteidigen ihn umso grimmiger. So lange, bis sie wieder verdrängt werden. Um dann erneut ihr Revier zu erobern.
Das ist der Lauf der Dinge.
Verlieren.
Und wieder gewinnen.

Oftmals reicht ein Einziger, der den ersten Schritt wagt. Der zum Anführer einer Bewegung wird, die alles verändern könnte. Und alles schart sich hinter ihm, schreitet ihm nach, folgt ihm überall hin.
Sie kehren zurück, allesamt. Wie eine Flut.

 




Fragen II
Philip Winfried Weisel
Die Frage nach dem Glück


Eine kniffelige Frage. Verdammt kniffelig.
Was ist das eigentlich, das Glück?

Moment, ich hatte da doch letztens was... mal schauen. Ja, Schublade des Schreibtischs auf, Blatt herausgezogen und drauf geschaut. Und tatsächlich auch noch auf Anhieb das Richtige erwischt! Glück gehabt.

Glück...

Glück ist ein Mosaik aus winzig kleinen Freuden. Das steht auf dem Blatt. Habe ich doch mal vor Urzeiten aufgeschrieben, pah, schon lange her.
Woher habe ich das noch mal... genau, auf dem Fenstersims von den Nachbarn war so ein Mosaik aus Steinchen auf einer Tafel. Und da stand das drauf. Habe ich sofort aufgeschrieben, als ich wieder daheim war... glückliche Kindheit.

Mensch, wie oft man den Begriff Glück manchmal verwendet! Schon eins, zwei, drei, vier, fünf Mal! Und das in weniger als zwei Minuten!

Ist das vielleicht schon... Glück?

Glück gehabt, wenn ich eine Vier statt ´ner Fünf in meiner Schulaufgabe heraus bekomme? Oh ja, auf jeden Fall...
Glück gehabt, wenn man gerade einen tiefen Sturz, der einen hätte töten müssen, überlebt hat? Na, ich weiß nicht... Das ist dann kein Glück mehr, das ist ein Wunder.
Wobei, vielleicht hängen ja Glück und Wunder zusammen? Genauso wie Glück und kleine Freuden?
Oder eben auch nicht.
Ich glaube, das Glück kann man nicht definieren. Ist halt für jeden etwas anderes. Für den einen kleine Freuden, für den anderen Vierer statt Fünfer in Schulaufgaben, und für den Dritten ein Wunder.

Aber was ist mit den Leuten, die das Glück verlassen hat?

Oh, na klar. Hör mir doch bloß auf.

Wieso denn? Das Glück kann einen verlassen! Von einem Tag auf den anderen verlierst Du deine Arbeit, dein Haus, deine Frau! Vielleicht verlierst Du auch nur deine Familie. Aber das wäre doch sogar noch schlimmer. Du kannst alles verlieren, an der Börse oder auf dem Imobilienmarkt, und das in weniger als einem Augenblick! Wenn dich dann das Glück nicht verlassen hat, was denn sonst?

Das Glück kann einen nicht verlassen. Das weiß ich ganz sicher.
Moment, habe da doch irgendwo das Ganze gelagert. Schnell die Website her, Forum auf, Thema auf, Beitrag gesucht...


Meine Güte! Der letzte Beitrag in dem Thema ist doch schon ewig lange her! Was soll denn da drin -
Oh.

Siehst Du?

Ja.
Tatsächlich. Da steht es. Schwarz auf Weiß.
Sogar aus meiner eigenen Feder.

Das Glück endet niemals.
Es lässt sich gelegentlich nur etwas mehr Zeit.


 




Modern Time
Modern Time

Was war das damals noch.
Als nichts über ein gutes Buch ging.
Als man schon über eine einzige Mark froh war.
Als man sich noch gegenseitig getröstet hat,
Selbst wenn man sich nicht kannte.
Als noch jeder wichtig war,
Egal, wie er aussah und wo er stand.

Jetzt herrscht Krieg zu jeder Zeit, überall.
Jetzt ist überall Terror, tötet und vernichtet.
Allzeit ist es möglich, einem Anschlag zu erliegen.
Jetzt krachen Raketen ein, in Israel.
Um jede Tages- und Nachtzeit.
Jetzt bombt die israelische Luftwaffe, was das Zeug hält, in Palästina.
Keine Zeit mehr zum Verschnaufen.
Jetzt glaubt Russland, es müsste mal wieder den starken Mann spielen.
Haben die eigentlich die Zeit des Kalten Krieges vergessen?
Jetzt findet Bush, man dürfe sich aus dem Irak nicht zurückziehen.
Und man müsse einen Raketengürtel aufstellen.
Na gut, das mit dem Irak meint er die ganze Zeit. Ist trotzdem alles Quatsch.
Der Raketengürtel auch.
Jetzt ist Saddam tot.
Geht´s den Irakern eigentlich besser, zur Zeit?

Gute, alte Zeit.
Sie ist nicht mehr.
Die Moderne Zeit herrscht.

Die Moderne Zeit.
Das einzige Moderne ist der Tod und die Zerstörung.
Und die Modernen Waffen.

Was will ich bitte mit der Modernen Zeit?
Aber ich lebe in ihr.
Werde das Beste rausholen müssen.

Moderne Zeiten.
Hoffentlich ist der Moderne Trend bald zu Ende.
Oder die Zeit wird mir nicht mehr viel nützen.

Moderne Zeit.
Meine Zeit.
Unsere Zeit.
Mal schauen, wie viel Zeit uns noch bleibt.

 




Egoism all over the place...
Weiß nicht, wie das Euch manchmal so geht. Es heißt ja, dass wir die Welt immer besser verstehen, mit jedem Jahrzehnt und Jahrhundert wird unser Wissen noch größer, noch mächtiger.

Aber mir fällt in letzter Zeit auf, dass ich die Menschheit immer weniger kenne. Ich meine jetzt nicht den Körperbau. Natürlich kann ich mir ein nettes Mädl ziemlich gut vorstellen, aber wer kann das nicht. Nein, mir geht´s hier um eine andere Wahrnehmungsebene.

Nämlich Gefühle. Ich sehe oftmals nur Leute, die sich einen Dreck um den anderen schären. Die an einem Bettler vorbeigehen und außerhalb seiner Hörweite zum Partner sagen: "Hast du den Penner gesehen? Solche Leute gehören weg geschafft!"

Ich sehe reiche Schnösel, die sich mit Designer-Klamotten einkleiden, welche sie ein einziges Mal tragen und die danach im Schrank das Opfer von Mottenkugeln werden. Von dem Preis von einer Garderobe für einen einzigen Abend könnte man sich Essen für drei oder vier Wochen kaufen.

Ich sehe im Fernseher jeden Tag den Unterschied zwischen Arm und Reich. Zwischen dem Tellerwäscher und dem Millionär.

Und ich frage mich: Wie können Leute, die durch Wissen und Ideen so reich geworden sind, nur so einen Mist machen?

Tja, Egoism all over the place.

PS.:
Man nennt mich einen Schwarzseher.
Aber ich bin nur realistisch.

 




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Persönliches
... Nirgendwo und überall
Benutzername:  Al Fifino männlich
Status:  05/18/12 Offline
Letzte Aktivität:  18.05.2012 03:03
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